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Sparkassenstiftung
Schleswig-Holstein

Einblicke in die Kunstsammlungen der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein und des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein

Sonderausstellung II: „… entgrenzt … “


Nach der Präsentation eigener Werke in einer ersten Sonderausstellung unter dem Titel „…bewegt…“ (2013) setzt die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein die Vorstellung der Kunstbestände von Verband und Stiftung in einer Folgeausstellung unter dem Titel „… entgrenzt … “ fort. Wie bereits in der ersten Werkschau sind in dieser Sonderausstellung mit über 50 Werken neben Malerei, Grafik und Fotografie auch Collagen und Plastiken vertreten.

Zum Hintergrund
Seit Beginn des Jahres 1996 arbeitet die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein kontinuierlich für die Unterstützung von Kunst und Kultur in Schleswig-Holstein: Museumsarbeit, Denkmalpflege, Kunsthandwerk, Musik-  und Literaturförderung. Ein besonderes Gewicht lag von Beginn an auf dem Erwerb, der Pflege und der Präsentation von Kunstwerken und Fotografien norddeutscher Künstlerinnen und Künstler. Auslöser dieser Stiftungsaktivitäten waren die vor allem in den 1980er und 90er Jahren vom Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein erworbenen Arbeiten.
 
Aufbauend auf dieser Sammlung löste die Sparkassenstiftung als Gründung des Verbandes ab 1996 die Sammlungstätigkeit weitgehend ab und führte sie in eigener Regie kontinuierlich weiter. Schenkungen, Zustiftungen und Ankäufe rundeten das künstlerische Portfolio um viele, im Norden vertraute Künstlernamen und wichtige Werke ab. Die Stiftung stellt mit inzwischen rund 1.500 Werken eines der bedeutenden zeitgenössischen Kunstkonvolute im Norden dar.
 
Zu der Ausstellung „…entgrenzt…“
Das Ausloten von Grenzen - ihre Überschreitung, Auflösung  und Neukonstruktion - bildet die zentrale Thematik in dieser Ausstellung.  Dabei sind Grenzen nicht nur territorial bzw. politisch-administrativ als Trennungslinie zwischen Staaten, Ländern oder anderen Distrikten zu verstehen: Grenzen können auch als gedachte oder unausgesprochene Barrieren fungieren. Sie verlaufen zwischen gesellschaftlichen Gruppen oder öffentlichen und privaten Bereichen und bestimmen über Teilhabe oder Ausschluss. Grenzen können als Beschränkung von Einfluss oder aber als Freiheit wahrgenommen werden und ihre Aufhebung als Verlust von Schutz in einer zunehmend unüberschaubaren Welt. In  dieser Ausstellung  befinden sich die unterschiedlichsten Beispiele von sichtbaren und unsichtbaren inneren und äußeren Grenzen, die respektiert oder aber missachtet und überschritten werden, nicht nur auf der inhaltlich-thematischen Ebene, sondern vor allem auch auf der künstlerisch-malerischen.


 

 
 
Daniel Hörner Kathrin Hoffmann  

Vibrierende geometrische Grundformen, die in ihren minimalen Abweichungen sanft aus dem Lot geraten sind, verweigern beispielsweise in dem Werk „Well noise“ (2011) von Daniel Hörner das Einfügen in das geordnete Leinwandformat, wachsen über die Bildränder hinaus oder ziehen sich von diesen entschieden zurück. Erst das Zusammenspiel jedes einzelnen Elementes formt letztlich die Gesamtkomposition des Bildes, wobei der Künstler vor allem das Spannungsverhältnis von Raum und Fläche immer wieder neu verhandelt.
Dagegen bewegen sich die in fein nuancierte Hell-Dunkel-Abstufungen gehaltenen Farben in Ulrich Behls Zeichnung „Gefüge aus Blau und Rot mit Schwarz“ (1990) innerhalb des ihnen zugewiesenen, streng axialen Gefüges aus Vertikale, Horizontale und Diagonale. In ihrer meisterhaften Verdichtung und Auflösung wirken sie jedoch keineswegs starr, sondern verdeutlichen vielmehr das Hauptanliegen des Künstlers nach Sichtbarmachung der unterschiedlichen Intensität des Lichts.

Lichteinfall spielt auch in der analogen Makrofotografie eines Industrieglassplitters „o. T.“ (2003) von Joachim Rohfleisch eine große Rolle – wie generell im Medium Fotografie. Doch erst durch die Wahrnehmung des Fotografen und durch seine Wahl des Bildausschnitts entfaltet sich vor den Augen des Betrachters aus dem ursprünglich unscheinbaren Motiv  eine grandiose Fantasielandschaft. Scheint diese dem Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ des französischen Schriftstellers Jule Verne entnommen zu sein, so sind die beiden in dieser Ausstellung vertretenden informellen Collagen „O. T.“ (1990) von Henning Rethmeier vielmehr dem Himmel zugewandt: der Unendlichkeit des  Weltalls. Die Farbmaterie verbindet sich in den beiden Arbeiten mit den nach und nach hinzugefügten farbigen Papierblättern zu voluminösen, körperhaften Bildkonzeptionen. Das Malerische zerfließt, verkrustet, erodiert und bildet Poren, Schichten und Ablagerungen.

Im diffusen Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Fiktion befindet sich Kathrin Hoffmanns Gemälde „Gas“ (2013). Hier ist alles von einer besonderen Atmosphäre, von einer „Andersartigkeit“ durchdrungen. Das Gebäude in der weiten Landschaft bleibt anonym und rätselhaft und hinterlässt beim Betrachter ein Gefühl der Irritation. Auch das Gemälde „Dekadenza“ (1984) von Karl Fettweis ist von einer doppelbödigen Wirklichkeit und scheint der Zeit enthoben. Hier wird der Blick auf eine illusionäre Ruinenlandschaft offengelegt. 

Um Grenzen in thematischer Hinsicht geht es in den nächsten Arbeiten. Von gesellschaftlicher Ausgrenzung durch Armut beispielsweise handelt indirekt die Schwarz-Weiß-Fotografie von Bernd Bünsche aus seiner dokumentarischen Serie  zur „Kieler Tafel in Mettenhof“ (2012). Sie zeigt  ehrenamtliche Helfer bei der Ausgabestelle in Mettenhof beim Entladen vom überschüssigen Lebensmittel, die zuvor im Handel gesammelt worden sind. Auch die Zugehörigkeit zur Europäischen Union  bzw. die Verweigerung des Beitritts kann „entgrenzend“ sein. In Litauen verfolgt der Fotograf Thies Rätzke mit seiner Kamera den Lebensrhythmus eines Staates, der knapp 15 Jahre nach seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion und seinem damals gerade erfolgten EU-Beitritt Anschluss an die westliche Welt sucht. Auf der für die Ausstellung ausgewählten Aufnahme „o. T.“ (2005) wird ein ehemaliger Elitesoldat gezeigt, der das Schwimmen mit einem Arm demonstriert. Dabei geht er bis an seine eigenen körperlichen Grenzen.

Dass die Lebenszeit begrenzt ist, darauf verweist die Arbeit von Karen Seggelke. In ihrem Fotodruck „Zeitsprung“ (2011) stellt die Fotografin das junge, verheißungsvolle, noch glatte und faltenfreie Antlitz einer Frau dem gealterten Gesicht derselben Person gegenüber.  Das gelebte Leben hat im Laufe der Jahre seine  Spuren hinterlassen.
Kaum eine Grenze ist für den Menschen jedoch von größerer Tragweite als die zwischen dem Leben und dem Tod, in dem Gemälde „Carne levale III“ (2012) von René Schoemakers symbolisiert durch einen Totenschädel. Ironischerweise  besteht dieses Vanitassymbol aus vielen kleinen Legosteinen.
 
Zu der Sonderausstellung wird ein Katalog mit Abbildungen und Begleittexten erscheinen. Es ist der zweite Band einer Reihe von Ausstellungen aus dem eigenen Werkbestand, die unter wechselnden thematischen Schwerpunkten im Jahresrhythmus fortgeführt werden sollen. (Text: Dr. Dörte Beier)
 
Die Ausstellung lief von September 2014 bis Januar 2015  im Foyer des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein.

Fotos von der Buchpräsentation finden Sie in der Bildergalerie
Ausführlicher Artikel im Kalender des Online-Portals www.mettenhof.de.

 

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